Begonnen hat alles, als ich noch ganz klein war. Laut meiner Mutter haben mich typische Jungstraumberufe wie Feuerwehrmann oder Polizist nie interessiert. Ich wollte schon immer Pilot werden.
Nach meinem Abitur habe ich mich bei einer großen Flugschule in Deutschland beworben, deren Namen ich leider nicht nennen darf. Das Auswahlverfahren war sehr anstrengend und fordernd. Insgesamt hat es knapp eineinhalb Jahre gedauert.
Das Auswahlverfahren.
Ich habe mich damals von einem Unternehmen professionell auf die verschiedenen Tests beim DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) in Hamburg vorbereiten lassen. Ich hatte nur diese eine Chance im Leben und wollte sichergehen, alles erdenklich Mögliche getan zu haben. Falls es am Ende doch nicht klappen sollte, wollte ich mir zumindest keinen Vorwurf machen können.
Die erste Phase des DLR-Auswahlverfahrens umfasste unter anderem folgende Bereiche:
Mathematik, Physik, Englisch, Technik, räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit, um nur einige zu nennen.
Rückblickend betrachtet war alles in allem gut machbar und nicht so unmöglich, wie es mir manche vorab erzählt hatten. Man sollte in allen genannten Teilbereichen gut abschneiden, muss aber kein „Überflieger" sein. Gesucht wird eher ein Allrounder.
Nachdem die grundlegende Eignungsprüfung bestanden war, wurde ich zum zweiten und letzten Teil des Tests eingeladen. Dieser Abschnitt zielte auf die psychische Verfassung ab und wurde in Gruppenspielen sowie einem mehrstündigen Interview mit mehreren Psychologen überprüft. Zum Schluss gab es noch einen Test im Flugsimulator. Dieser war anfangs ungewohnt zu fliegen, weil man sich erstmal an das Handling gewöhnen musste. Während man vorbestimmte Strecken abfliegen sollte, mussten parallel Rechenaufgaben gelöst werden, um die Mehrfachbelastbarkeit zu testen.
Zum Schluss galt es noch, meine medizinische Verfassung auf den Prüfstand zu stellen, um das Tauglichkeitszeugnis (Medical) Klasse 1 zu erwerben. Beim Aeromedical Center wurde ich einen Tag lang komplett auf den Kopf gestellt: Hörtests, Sehtests, Belastungs-EKG, EEG, Blut- und Urinproben waren ein Teil davon. Kurzum, ich habe bestanden.
Nach weiterer Wartezeit begann dann endlich meine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer. Vor uns lag knapp ein Jahr Theorie. Das war ziemlich knackig, weil in kurzer Zeit sehr viel Stoff verinnerlicht werden musste. Damit ihr euch vorstellen könnt, wie viel Stoff das tatsächlich war, habe ich euch hier ein Foto aller Skripte eingefügt.
Auf dem Lehrplan standen Aerodynamik, Technik, der richtige Funk, der Aufbau und die Funktionsweise von Triebwerken, Performance, Luftrecht, Elektrotechnik, Navigation, Flugplanung und Meteorologie.
Nach einem Jahr Lernen, Lernen und noch mehr Lernen standen schließlich die letzten Prüfungen der Flugschule sowie die des Luftfahrtbundesamtes an. Mit deren Bestehen war die Theoriephase erfolgreich abgeschlossen.
Nach weiterer Wartezeit begann dann endlich unser erstes Flugtraining in den USA. Erstes Flugzeug: die Beechcraft Bonanza F33A.
Da ich zuvor noch nie selbst geflogen war, war das natürlich alles sehr aufregend. Bereits nach zwölf Flügen mit Fluglehrer stand das erste Solo an, ganz alleine, ohne Fluglehrer. Bis heute unvergessen und mit Abstand eines der coolsten Erlebnisse meines Lebens.
Nach circa viereinhalb Monaten war der erste Praxisteil absolviert und es ging für uns mit einem Airbus 380 zurück nach Deutschland.
Leider kam es auch hier wieder zu einer längeren Wartezeit, bevor wir mit dem zweiten Teil der Flugpraxis fortfahren konnten. Nun erwartete uns ein deutlich größeres Flugzeug: die Cessna Citation CJ1+. Ein Jet, der sehr gerne von gut betuchten Kunden für Privat- oder Geschäftsreisen genutzt wird.
Ein Jet fliegt sich natürlich ganz anders als ein kleines Propellerflugzeug mit Kolbenmotor, daher war die Umgewöhnung anfangs gewaltig. In dieser Phase ging es zum ersten Mal auch um MCC, die sogenannte Multi Crew Coordination. Das bedeutet, dass das Flugzeug von einer Zweimannbesatzung geflogen wird und nicht mehr wie zuvor auf der Bonanza nur von einem Piloten allein. Das sollte uns auf den späteren Einsatz im Cockpit eines großen Passagierjets vorbereiten, denn größere Jets werden immer von zwei Piloten geflogen.
Nach vielen Stunden Simulator- und Flugzeugtraining war auch diese Phase erfolgreich gemeistert. Jetzt kam der letzte Teil der Ausbildung: das Typerating für die Airbus 320 Familie.
Der Erwerb dieser Musterberechtigung beinhaltete weitere circa vier Monate Simulatortraining mit abschließendem Landetraining in einem echten Airbus. Wir flogen von Frankfurt zum Plattensee (Balaton) in Ungarn. Wieder Gänsehautfeeling. Das erste Mal einen echten Airbus zu starten und zu landen war einfach unbeschreiblich.
Nach zwölf Starts und Landungen war es endgültig geschafft. Nach all den Jahren konnte ich endlich meine eigene Pilotenlizenz in den Händen halten.
Fun Fact
Nach all den Jahren Wartezeit konnte es am Ende nicht schnell genug gehen. Ich bin von Ungarn noch am selben Tag mit dem Taxi nach Wien gefahren, weil bereits am nächsten Tag mein erster Arbeitstag als Verkehrspilot begann.
Happy landings.